Wieder Brille im GEsicht
Medium: St.Galler Tagblatt, 13.10.2009
Wieder Brille im Gesicht
Die Olma als «Jahrmarkt der Neuheiten», Fiktion oder Tatsache? – Ein mehrstündiger Streifzug durch die Messehallen mit der Absicht, neben dem Bewährten das Neue zu finden. Die Olma auf Neuheiten und Innovationen zu durchsuchen, ist ein ambitioniertes Vorhaben: 659 Aussteller präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen an der Messe. Da ein vollständiges Inventar der Neuheiten machen zu wollen, ist unmöglich. Wer sich aber trotzdem in den Fluss der Besucher wagt, mitschwimmt und hier und dort anhält, erblickt eben doch Neues – oder noch nicht Gesehenes. Beispielsweise beim Möbel Pfister. Auf die Frage nach Neuheiten wird der Fauteuil «Parabolica» gezeigt.
Ein drehbarer Sessel, der aussieht wie eine sesselgewordene Satellitenschüssel – einfach bequemer. Er lässt verschiedene Positionen zu, alle zwischen sitzen und liegen. Rund 4500 Franken kostet dieser Sessel. Zu teuer für uns, die Suche muss weitergehen.
Fliegendes Raclette
Eine Menschentraube steht vor einem Stand und schaut interessiert zu. Zuhinterst stehen die Leute auf den Zehenspitzen. Was gibt es da zu sehen? Hinter der Menschenmenge leuchtet ein oranges Tisch-Karussell hervor.
Es handelt sich allerdings nicht um ein Spielzeug, sondern um das Produkt «Flying Raclette». Das futuristisch aussehende Gerät schmilzt den Käse scheinbar in der Schwebe. Die Pfännchen bieten mehr Platz als die bekannten – für den grossen und den grösseren Hunger. Zudem können die einzelnen Stationen separat eingeschaltet werden – je nach Anzahl essender Personen: Wer aufgibt, stellt ab.
«Der Raclette-Ofen verkauft sich gut», sagt Dorly Gerber, die dem Publikum «Flying Raclette» anpreist.
Auch im Geschäft mit dem Sehen gibt es Neuheiten zu bestaunen. Grasso Optik führt die «Entourage of 7»-Modelle vor, kurz «E7» an. «Manche bezeichnen sie als Streber-Brillen», sagt die Optikerin Brigitte Giezendanner. Die Brille zeichnet sich durch einen dickeren Rahmen als die herkömmlichen Modelle aus. «Wieder Brille im Gesicht», beschreibt die Optikerin den angesagten Brillen-Trend aus Los Angeles.
An der Haushaltfront wird mit zwei Neuheiten aufgewartet. Die Firma Finissimo bietet eine «Weltneuheit» an: ein Bügelbrett mit Wasserdampf. Manuel Zeba führt es den Kundinnen vor. Ein T-Shirt lässt sich alleine mit Hilfe des Dampfes von Hand glattstreichen. Seine Kollegin witzelt: «Damit kann sogar ein Mann bügeln.» Die Firma nutzt die gemachten Erfahrungen aus der Industrie jetzt auch für Privatpersonen.
Waschen bei 20 Grad
Wo gebügelt wird, wird in der Regel vorab gewaschen. Schulthess bietet eine Waschmaschine an, die verschiedene Neuheiten vereint: Die Maschine wäscht bei ökologischen 20 Grad. Weiter verfügt sie über ein Express-Programm, das lediglich 19 Minuten dauert. Und zudem ist sie lernfähig: Sie speichert die am häufigsten verwendeten fünf Programme ab und macht sie per Knopfdruck abrufbar. Etwas für den Hausmann? Roman Casanova zuckt die Schultern: «Es sind immer noch die Frauen, die bestimmen, welche Waschmaschine gekauft wird.»
Sebastian Keller